das letzte mal 1990
seit der gründerzeit gingen hier menschen ein und aus. heute ganz anders als damals. der raum hat eine vergangenheit, die ihm spürbar innewohnt.
ohne die graffitis an der wand und die überbleibsel trinkender jugendlicher bleibt nur noch der raum selbst. und das ist mehr als genug. er ist eher lang als breit, mit nacktem boden, einer sichtbaren deckenkonstruktion und loser dachstruktur. stützen aus stahl tragen das, was davon noch übrig ist. hier wurde mal gearbeitet und etwas erschaffen. jute und verpackungsmaterialien. das letzte mal war wohl 1990. davon kann ich zwar nichts mehr sehen aber ich weiß dass der raum es gesehen hat.
ich kann nur versuchen mir vorzustellen wie es aussah als das letzte mal jemand alle fenster und die tür hinter sich geschlossen hat. alle lichter und maschinen ausgeschalten. im zeitraffer sehe ich wie der raum zusammenbricht. von damals zu jetzt und von laut zu leise. nun stehen die türen immer offen, die großen fenster sind ohne glas und dort wo mal das dach war fallen sonnenstrahlen oder regen herein. der raum ist gezeichnet von wetter, feuer und der zeit. er wirkt rastlos, und durch das spiel von licht und schatten fast schon lebendig. ist aber dennoch so kalt, als wäre er schlecht durchblutet.
es riecht nach frischer farbe und ich habe das gefühl gerade war noch jemand hier. als ich ging, sah ich wie frisch die farbe ist. sie tropfte an einem rohr in der nähe des eingangs herunter. wir haben uns also nur ganz knapp verpasst. ich glaube nicht, dass du hier, in diesem lebenden lost place, jemals ganz allein bist. verlassen und sich selbst überlassen. irgendwann wird dieser raum ganz weg sein, dem erdboden gleichgemacht werden.